Lexikon

Carry-Over Effekt

Carry-Over Effekte (zu deutsch: Übertragungseffekt) sind Effekte von vorigen Behandlungen, die noch fortbestehen und nachfolgende Messungen beeinflussen. Carry-Over Effekte sind vor allem bei Within-Designs zu finden, wo Versuchspersonen mehrere Versuchsbedingungen durchlaufen. Um Carry-Over Effekte zu reduzieren, wird eine Pause zwischen den Bedingungen eingelegt, das Washout, in der Effekte aus dem Treatment abklingen sollen.

Beispiel

In einer Studie möchte ein Mediziner ein neuentwickeltes Medikament gegen Diabetes auf seine Wirksamkeit testen. Dazu soll eine Kontrollgruppe und eine Experimentalgruppe die Wirksamkeit in einem Cross-Over Design testen. Bei einem Cross-Over Design werden Versuchspersonen zufällig einer der beiden Gruppen zugewiesen, bekommen dann entsprechend ihrer Zuweisung ein Treatment und werden dann nach einer Pause (Washout) der anderen Gruppe zugeteilt, wie in der Abbildung unten.

Crossover Design

Der Nachteil dieser Art von Versuchsdesign ist der Carry-Over Effekt. Eine Versuchsperson, die in der ersten Bedingung das neue Medikament bekommen hat und dann in der Kontrollgruppe ein Placebo bekommt, könnte immer noch eine Verbesserung ihrer Blutzuckerwerte aufweisen, die noch von der Behandlung mit dem neuen Medikament stammt. Diese Verbesserung von einem vorigen Treatment ist der Carry-Over Effekt.

Bei der Entwicklung von Versuchsdesigns ist es deshalb besonders wichtig, das Intervall des Washouts richtig zu bemessen. Mit einem zu kurzen Washout steigt die Wahrscheinlichkeit für den Carry-Over Effekt. Bei einem zu langen Washout wird die Länge der Studie unnötig in die Länge gezogen, was wirtschaftliche und psychologische Belastungen mit sich bringt.

Bei pharmakologischen Studien ist es oft einfacher die Länge des Washouts zu bestimmen, da die Konzentration mittels Blutanalysen bestimmt werden kann. Bei psychologischen Studien hingegen existieren Effekte, die unabhängig von der Länge des Washouts relativ stabil bleiben.