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Deckeneffekt

Der Deckeneffekt ist eine Messbegrenzung, die auftritt, wenn die höchstmögliche Punktzahl oder nahe der höchsten Punktzahl eines Prüf- oder Messinstruments erreicht wird, wodurch die Wahrscheinlichkeit verringert wird, dass das Messinstrument den vorgesehenen Bereich genau gemessen hat. Er kann bei Fragebögen, standardisierten Tests oder anderen Messungen in Forschungsstudien auftreten.

Statistisch gesehen, ist der Deckeneffekt ein Phänomen, das auftritt, wenn die höchstmögliche Punktzahl in einem Test oder einer anderen Messgröße begrenzt ist, was dazu führt, dass die Daten ein Plateau aufweisen, selbst wenn sich die Ergebnisse der Teilnehmer weiter verbessern. Dies kann beispielsweise passieren, wenn die Aufgaben in einem Test nicht gleichmäßig über den Schwierigkeitsbereich verteilt sind oder wenn die Testbedingungen nicht ideal sind. Deckeneffekte können problematisch sein, weil sie zu einer Unterschätzung der tatsächlichen Fähigkeiten oder Leistungen führen können.

So würde beispielsweise ein Test, dessen Aufgaben für die Teilnehmer zu leicht sind, einen Deckeneffekt aufweisen, da die meisten Teilnehmer die höchstmögliche Punktzahl erreichen oder nahe an ihr liegen würden. Mit anderen Worten: Die Testergebnisse wären schief und hätten eine eingeschränkte Varianz, was eine aussagekräftige Analyse der Ergebnisse erschweren würde.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Größe eines Deckeneffekts zu messen. Eine gängige Methode besteht darin, den Prozentsatz der Testpersonen zu ermitteln, die in einem Test die höchstmögliche Punktzahl erreicht haben. Ist der Prozentsatz niedrig, deutet dies darauf hin, dass selbst bei den besten Personen noch Raum für Verbesserungen besteht. Haben hingegen viele Personen die maximale Punktzahl erreicht, bildet der Test eventuell nicht korrekt die Leistung der Teilnehmenden ab und ist zu leicht.

Das Vorhandensein von Deckeneffekten ist in der Forschung zu Intelligenztests und akademischen Leistungstests ausführlich nachgewiesen worden. Es ist jedoch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass nicht alle Tests Deckeneffekte aufweisen. So gibt es beispielsweise keine Obergrenze dafür, wie gut jemand bei einem Sporttest oder einem Test über künstlerische Fähigkeiten abschneiden kann. Das Ausmaß eines Deckeneffekts variiert auch von Gruppe zu Gruppe – einige Gruppen können sehr kleine Deckeneffekte haben, während sie bei anderen sehr stark ausgeprägt sind.

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Hemmerich, W. (2022). StatistikGuru: Deckeneffekt. Retrieved from https://statistikguru.de/lexikon/deckeneffekt.html
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