Lexikon

Ex-Post-Facto Design

Bei einem Ex-Post-Facto Design untersucht man bereits existierende Gruppen auf eine abhängigen Variable. Die Einteilung in Gruppen erfolgt anhand von Ereignissen, die in der Vergangenheit liegen (daher auch der Name).

Ex-Post-Facto Forschung ist ein Ersatz für echte experimentelle Forschung und kann verwendet werden, um Hypothesen über das Ursache-Wirkungs-Verhältnis oder den korrelativen Zusammenhang in Situationen zu überprüfen, in denen es nicht praktikabel oder ethisch vertretbar ist, ein experimentelles oder quasi-experimentelles Design zu verwenden.

Ex-Post-Facto Forschung ist damit in vielerlei Hinsicht umgekehrte experimentelle Forschung: Anstatt gleiche Gruppen zu nehmen und sie unterschiedlichen Treatments auszusetzen, verwendet Ex-Post-Facto Forschung Gruppen, die bereits von Anfang an durch natürliche Umstände unterschiedlich sind und versucht, in Retrospektive die Gründe für die Unterschiede zu finden.

Ex-Post-Facto Forschung hat dieselben Einschränkungen wie nicht-experimentelle Forschung, auch wenn durch die Einteilung der Gruppen und die Art, wie die Daten analysiert wurden, es den Anschein erweckt, als würde es sich um echte experimentelle Forschung handeln.

Einschränkungen

Da ein Ex-Post-Facto Design zu den nicht-experimentellen Forschungsdesigns zählt, teilt es viele Einschränkungen mit anderen nicht-experimentelle Designs:

  1. Die Stichprobe ist nicht durch Zufall zustande gekommen. Die Möglichkeiten der Verallgemeinerung sind daher gering.
  2. Es gab keine zufällige Zuteilung in die Gruppen. Die untersuchten Variablen sind daher konfundiert, da Störvariablen nicht kontrolliert werden konnten.
  3. Oft gibt es nur wenig oder gar keine Informationen über Dropouts (Versuchspersonen, die das Experiment verlassen haben).

Beispiel

Ein Beispiel für Ex-Post-Facto Forschung könnte die Untersuchung der Gründe sein, warum die Kriminalität in einer Stadt höher ist, als in einer benachbarten. Die Forscher untersuchen zahlreiche Variablen und finden, dass die Stadt mit der höheren Kriminalitätsrate weniger Freizeitangebote hat. Sie gehen davon aus, dass ein größeres Angebot an Freizeitaktivitäten mit einer geringeren Kriminalitätsrate einhergeht. Auf Basis dieser Hypothese kann weitere Forschung durchgeführt werden.

Literaturverzeichnis

  1. Chandra, S. S., & Sharma, R. K. (2004). Research in education. Atlantic Publishers & Dist.
  2. Cohen, L., Manion, L., & Morrison, K. (2013). Research methods in education. Routledge.